9. Tag der Solidarität

Niemand wird vergessen
hiç unutmadık,
hiç unutmayacağız

2006 wurde der bei vielen beliebte Kioskbetreiber Mehmet Kubaşık von Neonazis des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) in seinem Kiosk in der Dortmunder Mallinckrodtstraße erschossen. Am 4. April jährt sich dieser Mord nun zum 15. Mal.

„Mein Vater war ein aufgeschlossener, ehrlicher Mensch, der ganz viele Späße gemacht hat. Man mochte ihn einfach,“ sagt Gamze Kubaşık über ihren Vater.

Mit dem Ende des NSU-Prozesses im Sommer 2018 wurde die Botschaft vermittelt, der NSU sei Geschichte. Von staatlicher Seite ist wohl keine weitere Aufdeckung und Aufklärung zu erwarten. Dabei sind zentrale Fragen ungeklärt Die Geheimdienste mauern lieber, als ihre nutzlose, unverantwortliche und tödliche Praxis zu beenden. Täglich werden rechte Anschläge verübt. Immer noch werden neue Informationen zu rechten Netzwerken und rechten Umtrieben innerhalb von Polizeiapparaten bekannt. Das NRW-Innenministerium zählte in den letzten Jahren 186 Verdachtsfälle bei den NRW-Polizeien, 14 davon in Dortmund, 50 in Essen, wo der Skandal um rechte Chatgruppen seinen Anfang genommen hatte. Trotzdem will ein Sonderbericht keine Netzwerkstrukturen erkennen. Dass der Essener Polizeipräsident trotz jahrelangen Führungsversagens und Blockade bei der Aufklärung, Konsequenzen erfahren wird, ist nicht zu erwarten.


Das alles zeigt uns: Angesichts der ständigen Enttarnung rechtsterroristischer Gruppen und den Erfolgen rassistischer und antisemitischer Organisationen von der AfD bis zu „Querdenken“, kann unser Gedenken nicht unpolitisch sein!

Als Bündnis fordern wir: Erinnerung, Aufklärung und Konsequenzen! Wir schließen uns den Fragen der Angehörigen zum NSU-Komplex an:

„Warum mein Vater?
Was ist passiert?
War er ein Zufallsopfer?“

Gamze Kubaşık im Dezember 2020

„Wie konnte eine bewaffnete Gruppe über Jahre hinweg faschistische Morde und Anschläge in Deutschland begehen?“
„Warum wurden sie nicht gestoppt?“
„Was wusste der Staat davon?“
„Gehörten zu der Gruppe Nazis
aus Dortmund?“
„Liefen die Helfer dieser Mörder
vielleicht in einer der vielen Nazidemonstrationen mit?“

Elif Kubaşık im April 2020

Als Bündnis wollen wir eine Gesellschaft, in der Rassismus keinen Platz hat und wir gemeinsam unsere Zukunft gestalten! Seit 15 Jahren fordern die Angehörigen der Opfer umfassende Aufklärung. Seit Jahren fordern sie weitere lokale Ermittlungen, gerade in Dortmund. Ihren Forderungen schließen wir uns nach wie vor an, denn sie sind angesichts der tödlichen Gefahr rechten Terrors und der Enttarnung von Nazis in der Polizei aktueller denn je. Wir wehren uns gegen die nicht enden wollende Verharmlosung und Vertuschung extrem rechter Verbrechen und des Rassismus‘ in unserer Gesellschaft. Dabei dürfen wir niemals vergessen: Rassismus tötet.

Vor diesem Hintergrund wollen wir gemeinsam am 4. April um 14 Uhr auf die Straße gehen und unsere Solidarität mit den Angehörigen der Mordopfer und allen Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt zeigen.

„Wir wollen 100-prozentige Aufklärung,
nichts anderes.“ (Gamze Kubaşık)

In Erinnerung an Mehmet Kubaşık
und alle Opfer rechter, rassistischer und
antisemitischer Gewalt!
Solidarität statt Schlussstrich!
Schulter an Schulter gegen Faschismus
und Rechtsruck!