Angriff mit Molotow-Cocktail auf Familien in der Nordstadt: Das Motiv heißt Rassismus!

Keine Entpolitisierung rassistischer Taten!

Am Sonntag (9. Mai) gab es einen Großeinsatz der Polizei im Blücherpark in der Dortmunder Nordstadt. Von „Schusswaffengebrauch“ war in einer Pressemeldung zunächst zu lesen. Erst nach und nach wird klar, was sich eigentlich zugetragen hat: Soweit bis jetzt bekannt, hat ein 39-Jähriger Mann am Sonntag in diesem Park mindestens einen Molotow-Cocktail entzündet und unvermittelt auf Familien geworfen, die dort den sonnigen Nachmittag genießen wollten.

Gegenüber dem WDR gab eine Augenzeugin, die selbst durch den bewaffneten Täter bedroht wurde, an, dass dieser gerufen haben soll, „alle Ausländer“ töten zu wollen. Offenbar wurde nur durch Glück niemand verletzt. Die Staatsanwaltschaft sieht in der Tat Heimtücke und ermittelt wegen versuchten Mordes. Ein politisches Motiv schließe sie bisher aus, hieß es am Montagabend in der WDR Lokalzeit.

„Polizei und Staatsanwaltschaft waren schnell darin, zu konstatieren, dass nach derzeitigem Ermittlungsstand keine Hinweise auf eine politisch motivierte Tat vorliegen“, sagt Marie Kemper vom Bündnis Tag der Solidarität/Kein Schlussstrich Dortmund. „Der Bericht von Frau Mehmed lässt jedoch ganz klar auf ein rassistisches Motiv schließen“, so Kemper weiter. Auch Gespräche mit Anwohner*innen legen dies nah: Mehrere Anwohner*innen schildern, dass der Täter mehrmals rief, dass er etwas gegen „Ausländer“ habe.

„Bei solch klaren Aussagen, wie Anwesende sie schildern, muss ein rassistisches Motiv Teil der Ermittlungen sein. Wir wissen bereits seit Jahren, dass eine psychische Erkrankung und Rassismus sich keinesfalls ausschließen. In München und in Hanau war dieser Zusammenhang tödlich“, so Kemper. Erst drei Jahre nach dem rassistischen Anschlag in München, bei dem am 22. Juli 2016 neun junge Menschen durch einen rechten Täter mit psychischen Erkrankungen ermordet wurden, wurde das rechte Motiv der Tat anerkannt.

Zum Glück hat es am Sonntag keine schwerer Verletzten oder gar Toten gegeben. Solche Taten haben dennoch Folgen. „Wir als Bündnis Tag der Solidarität/Kein Schlussstrich werden die Arbeit der Ermittlungsbehörden kritisch beobachten. Wir werden es nicht hinnehmen, dass die Tat entpolitisiert wird. Es ist für uns völlig unverständlich, warum bisher überwiegend darüber berichtet wird, dass der Täter angeschossen wurde. Waren es nicht Menschen, auf die ein gezielter Anschlag verübt wurde?“, fragt Kemper.

Sie fährt fort: „Wir wissen, dass wir nicht darauf hoffen können, dass Polizei und Staatsanwaltschaft ihre Arbeit machen, sondern müssen auch selbst Konsequenzen ziehen. Ermittlungsbehörden konzentrieren sich, wenn überhaupt, allenfalls auf die juristische Dimension und sie sind auch Teil des Problems, da sie mit Racial-Profiling und Debatten um ,Clankriminalität‘ in der Nordstadt rassistische Ressentiments schüren.“

Als Bündnis wehren wir uns entschieden gegen rechte Hetze und Gewalt. „Es ist ein Angriff auf uns alle, die in der Nordstadt leben, wenn Kinder auf Spielplätzen attackiert werden. Wir solidarisieren uns mit den betroffenen Familien. Rassistische Anschläge sind keine Einzelfälle!“ so Kemper. „Wir fordern daher alle Nordstädter*innen dazu auf, solidarisch zu sein und für die Gesellschaft der Vielen einzutreten. Es ist der rassistische Normalzustand, den wir gemeinsam angreifen müssen!“

Bündnis Tag der Solidarität – Kein Schlussstrich Dortmund

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